Lause bleibt!

Hintergrund

Der Gewerbehof in der Lausitzer Straße 10 in Kreuzberg ist der Prototyp der Berliner Mischung. In einer authentischen Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten finden sich hier noch preissensible Handwerksbetriebe, prekär beschäftigte Freiberufler*innen, Künstler*innen und Kreative, kleinproduzierende Unternehmen und politische Initiativen, die an vielen anderen Standorten im Bezirk längst durch Wohnnutzungen oder mietstärkere Gewerbe verdrängt wurden.

In unserem Kampf gegen Verdrängung und für eine nachhaltige und solidarische Stadtentwicklung sind wir nicht alleine. Wir sehen uns als Teil einer aktiven Nachbarschaft, zu denen auch andere Projekte gehören. Z.B.:

Bizim KiezBündnis Zwangsräumungen verhindernKotti&Co.Haus der StatistikStadt von untenGloReiche NachbarschaftGoogle ist kein guter NachbarFuck off Google

Berliner Mischung in Gefahr

Die Gefahr der Verdrängung drohte auch den Mieter*innen der Lause, deren Bestand durch eine geplante Umwandlung der Gewerbeflächen in Luxuswohnungen bzw. durch Luxussanierung oder Verkauf zum maximalen Profit bedroht war. Viele, der ca. 150 in der Lause ansässigen Akteur*innen waren und sind damit in ihrer Existenz bedroht. Zusätzlich ist auch die Lause als wichtiger Nachbarschaftsbaustein mit seinen vielfältigen, häufig unkommerziellen Angeboten für einen großen Nutzer*innenkreis in Gefahr. Dazu gehört u. a. die Arbeit der antifaschistischen Initiativen im Haus (wie z.B. NSU Watch).

Gewachsene Strukturen erhalten

Laut des aktuellen Gewerbeflächensicherungskonzepts des Bezirks für Friedrichshain-Kreuzberg gilt es, die für die typische Berliner Mischung charakteristischen Gewerbehöfe im Bezirk zu sichern. Denn genau diese funktionale und soziale Mischung ist Kern einer nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung und macht Kreuzberg so lebenswert und attraktiv. Von oben planen lässt sich diese Mischung nicht – Nachbarschaftsbeziehungen, Kollaborationen und lokale Wertschöpfungsketten können nur ›bottom up‹ und über die Zeit wachsen. Durch Gentrifizierung werden funktionierende Kiezstrukturen zerstört, die sich nicht wiederaufbauen lassen.

Die Lause als solidarischer Ort

Um der aktuellen Situation konstruktiv zu begegnen, haben sich die Mieter*innen der Lausitzer Straße 10/11 organisiert und den Verein Lause lebt als Interessensvertretung gegründet. Wir möchten unsere vielfältigen Kompetenzen, unser großes lokales wie internationales Netzwerk und unser Engagement einbringen, um den Charakter des Hauses beizubehalten und als gemeinsames Projekt weiterzuentwickeln. Dazu haben wir eine übergeordnete Vision und erste Bausteine konkretisiert, Partner*innen gesucht und Machbarkeiten geprüft. Wir möchten die Lause als solidarischen Ort sichtbarer als bisher für den Kiez öffnen – durch eine Gestaltung und Nutzbarmachung der Höfe (u.a. mit Urban Gardening) und der Bespielung eines Gemeinschaftsraums (für die Hausgemeinschaft und den Kiez) mit einem ambitionierten ­sozio-kulturellen Veranstaltungsprogramm, Bildungsangeboten, Vernetzungs­formaten und einer Kiezkantine.

Für die Umsetzung unserer Ideen sind wir bereit, Arbeit und Know How zu investieren und damit Verantwortung zu übernehmen. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen –

1. Behutsame Sanierung

2. Gleichbleibende Mieten

3. Mitbestimmung bei der Mieter*innenaus­wahl

4. Gemeinschaftsflächen Hof / Gebäude

– lassen sich u.E. nur mit politischer und eigentümerseitiger Unterstützung realisieren. Lause lebt! bietet als Modellprojekt für die Stadt der Zukunft dem Bezirk und der Gesellschaft einen großen Mehrwert.

Rückkauf der Häuser durch die Stadt

Die öffentliche Hand in Form der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) kauft die Liegenschaft.

1 a) Die WBM führt eine behutsame Sanierung der Gebäude durch. Mit dem Verein Lause lebt! wird ein langfristiger Generalmietvertrag geschlossen – der Verein übernimmt damit z.B. Ausfallrisiko für Leerstände, erhält im Gegenzug jedoch vollen Gestaltungsspielraum zur Umsetzung des Konzepts (Ermöglichung solidarischer Mieten, Implementierung der Bausteine).

1 b) Lause lebt! Gründet sich als Genossenschaft und übernimmt die Gebäude in Erbpacht. Damit kann die Initiative für die nächsten Jahrzehnte die Liegenschaft bewirtschaften und gestalten. Die Sanierung erfolgt mit Unterstützung von Fördermitteln (z.B. im Rahmen des besonderen Städtebaurechts wie Städtebaulicher Denkmalschutz / Stadtumbau / GRW investiv), Eigenkapital in Form von Genossenschaftsanteilen und eines Kredits (z.B. GLS)

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Rahmenmietvertrag für alle Gewerbemieter*innen

Das Haus verbleibt in Eigentümerschaft von Jørn Tækker. Der Verein schließt mit dem Eigentümer einen Rahmen- oder Generalmietvertrag ab, der Miethöhen, -dauer, Belegung und Gemeinschaftsflächen regelt. Die notwendige behutsame Sanierung wird durch Tækker umgesetzt und ggf. durch die öffentliche Hand gefördert (z.B. analog zur wohnungspolitischen Selbsthilfe der 1990er Jahre).

Der Vertrag wird sich nur auf Gewerbeflächen beziehen und davon mindestens auf alle aktuell vermieteten Gewerbeflächen, die in den Gesamtmietvertrag übergehen wollen. Vertragspartner mit dem Eigentümer soll der Verein oder eine Genossenschaft sein, welche/r die bestehenden Verträge der aktuellen Mieter*innen über Untermietverträge aufnimmt und die weitere Belegung der freiwerdenden Flächen übernimmt.

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